Über den (Teller-)Rand des eigenen Genres schauen
Am 15. Juni endet das Verlagsausschreiben von betweenpages, einem Imprint des Piper Verlags. Der Beitrag dazu wurde mir in meinen Instagram-Feed gespült und ich speicherte ihn sofort ab.
Es werden zwei Geschichten gesucht: ein Liebesroman (Love in Landscape) und ein Thriller (Domestic Suspense).
Ihr werdet euch jetzt sicher wundern, dass ich nicht weiterscrollte, weil ich mich ja als Autorin von Jugendliteratur etablieren möchte. Das stimmt und meine Bewerbung an dem Ausschreiben wird das auch nicht ändern.
Da ich aber noch am Anfang meiner Karriere stehe, habe ich auch Lust, unterschiedliche Erfahrungen zu sammeln. Ich habe beschlossen, über den Tellerrand meines bevorzugten Genres zu schauen und mich mit einem Liebesroman auf das Ausschreiben zu bewerben.
Inwieweit dieses neue Commitment mich schon jetzt als Autorin hat wachsen lassen, das erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Aus der Auftragsarbeit ein eigenes Vorhaben machen
Ich schreibe seit etwa zwei Monaten an meiner neuen Geschichte − das ist nicht viel Zeit, wenn es sich um ein Romanprojekt handelt.
Zum Vergleich:
An meinem ersten Roman TRAUMHAFT schrieb ich über zwei Jahre.
Habe ich mich also einmal auf eine Geschichte festgelegt, wird mich die Arbeit daran bestimmt über ein Jahr in Atem halten. Das bedeutet auch, dass ich mich in dieser Zeit keinem anderen Buchprojekt widmen werden kann.
Deshalb ist es mir sehr wichtig, dass ich im Schreiben daran mehr als nur das Ausarbeiten eines Auftrags sehe. Ich möchte zu meiner Arbeit und dem vollendeten Werk stehen, wissen, weshalb ich dafür so viel Zeit opfere.
Daher skizzierte ich anfangs die wichtigsten Figuren, das übergeordnete Thema, um das die Handlung kreist, und die Welt, in der die Geschichte spielt. So konnte ich mich bald in die Recherche begeben.
Und was soll ich sagen:
Durch die Recherche entwickelte ich Begeisterung für das Thema, weil ich seine Vielschichtigkeit erkannte − und das macht es für mich spannend.
Ich habe die Motivation zum Fest geladen und sie ist gekommen, um zu bleiben.
Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich den Roman abschließen werde, weil ich ein komplexes Thema gefunden habe, in das ich noch tiefer einsteigen will.
Der nächste Schritt in Richtung Professionalität
Einen Liebesroman zu schreiben stand eigentlich nicht auf meiner Liste, aber ich habe mich trotzdem dafür entschieden − dank meiner umfassenden Recherche zu einem Thema, das die Liebesgeschichte einrahmen wird.
Für mich ist damit der nächste Schritt in Richtung Professionalität getan.
Ich sehe mich in der Lage, nicht nur aus mir heraus eine Geschichte schreiben zu wollen, sondern kann mich auch auf Aufträge einlassen.
Dazu gehört auch das Einhalten einer Deadline, womit unter Anderem strukturiertes Arbeiten einhergeht.
Konnte ich mir bei meinem ersten Roman viel Zeit für Textpassagen lassen, die mir zwar beim Worldbuilding halfen, in der Endfassung jedoch keinen Eingang mehr fanden, muss ich jetzt das Tempo anziehen.
Die Ausschreibung erfordert vielleicht keinen Sprint, aber ein Spaziergang wird die Arbeit am neuen Roman auch nicht.
Ich habe deshalb meine Arbeitsweise angepasst − für die ich einem unter Autor:innen berühmten Leitfaden folge, der Safe the Cat! heißt.
Schematisch arbeiten, sich aber nicht mit Schema F zufriedengeben
Um die Handlung von TRAUMHAFT auszuarbeiten, folgte ich lediglich einem groben Spannungsbogen. Für meine neue Geschichte gehe ich schematischer vor.
Natürlich möchte ich nicht, dass meine Geschichte vorhersehbar ist. Allerdings muss ich mit dem Schreiben vorwärts kommen. Zu dem Zweck ist Safe the Cat! einfach sehr hilfreich.
Für das neue Projekt orientiere ich mich also aus Zeitgründen an einer Handlungsschablone.
Gleichzeitig werde ich mich mit einer Geschichte nach Schema F nicht zufriedengeben und deshalb versuchen, die Handlung an anderen Stellen auszurollen und zurückzuhalten, wie man es vielleicht erwarten würde, wenn man mit Safe the Cat! vertraut ist.
Aber wie heißt es so schön:
Die Autorin wächst mit ihren Aufgaben (und Herausforderungen).
Realistisch sein, und trotzdem vom Erfolg träumen
Das Ausschreiben bei betweenpages ist ein Wettbewerb. Der Beitrag, mit dem betweenpages dafür auf Instagram warb, hat mittlerweile knapp 1400 Likes. Sollten sich auch etwa genauso viele Autor:innen bewerben, wird es sehr schwer, aus dieser Masse mit dem eigenen Projekt herauszustechen.
Ich muss also eine gründliche Vorarbeit leisten, um meine Chancen zu erhöhen. Gleichzeitig ahne ich, dass es aufgrund der starken Konkurrenz unwahrscheinlich ist den begehrten Verlagsvertrag zu gewinnen.
Buchgeschmack und Leseerwartung fallen letztendlich sehr subjektiv aus, und dass ich bei den Lektor:innen von betweenpages genau ins Schwarze treffe, kann ich mir nicht vorstellen.
Zudem frage ich mich, ob noch andere Faktoren erfolgsentscheidend sind, zum Beispiel eine starke Community auf Social Media. Andere Autor:innen sind super sichtbar, während ich meine Präsenz erst noch aufbauen muss.
Mittlerweile habe ich einen realistischeren Blick auf die Literaturbranche entwickelt, trotzdem übe mich weiter darin, vom Erfolg zu träumen. Letzteres ist deshalb möglich, weil ich von meiner Arbeit und meinem Können überzeugt bin.
Eine Liebe, zwei Schwestern − und kein Ritter
Der Liebesroman, den ich aufgrund der Verlagsausschreibung begonnen habe, ist längst zu meinem eigenen Projekt geworden. Ich plane, es zu veröffentlichen − mit oder ohne betweenpages.
Und genau deshalb dürft ihr euch jetzt freuen. An dieser Stelle möchte ich euch nämlich schon einen Vorgeschmack geben.
In meiner Geschichte geht es um zwei Schwestern, die einen schweren Verlust erlitten haben. Sie müssen sich dem Schmerz stellen, ohne sich dabei zu verlieren. Und ja, dabei kommt auch die Liebe ins Spiel, aber es wird keinen Ritter auf dem weißen Pferd geben, sondern … ätschbätsch! Mehr verrate ich noch nicht − ob und wie rosa Herzchen auf welche meiner Protagonisten herabregnen, werdet ihr dann im fertigen Buch lesen.
Drückt mir die Daumen!
Das Ausschreiben von betweenpages wurde war der Anlass, mich einem neuen Buchprojekt zu widmen − auch wenn ich von mir aus keinen Liebesroman begonnen hätte.
Mittlerweile habe ich recherchiert, die ersten 30 Seiten stehen und der Plot wird dichter und dichter und ich glaube:
betweenpages dürfte sich sehr freuen, nähme es die Geschichte in seine Liste neuer Publikationen auf.
Drückt mir also die Daumen! Am 15. Juni ist die Deadline.
👍❤️🙂
Dir gefällt, was du in meinem Blog liest? Dann supporte mich!
Like diesen Beitrag, teile ihn, hinterlasse ein Kommentar und erzähle anderen von meiner Arbeit.
Für dich ist es ein Klick, eine Minute, ein gehaltvolles Gespräch über Literatur − und für mich eine reale Unterstützung, die mir viel bedeutet!
Vielen Dank 💚
Deine Mira Farland
Hinterlasse einen Kommentar