Wie priorisiere ich meine Aufgaben?
Day job − der englische Begriff vermittelt meiner Meinung nach gut einen wichtigen Teil der Realität von Künstler:innen, die noch nicht von ihrer Kreativarbeit leben können.
Zusätzlich muss ein großer Teil der kostbaren Zeit in Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerken fließen.
Wie viele andere Kreative stehe auch ich vor der großen Herausforderung, zu entscheiden, wie ich alle anfallenden Aufgaben priorisiere ohne das Schreiben aus den Augen zu verlieren.
Im Folgenden erzähle ich euch, warum sich momentan jeder Tag bei mir anders gestaltet − und dass das vielleicht gar nicht so schlecht sein muss.
Wann ich schreiben kann
Persönlich erlebe ich seit fast drei Jahren meinen Alltag so, dass ich mich tagsüber familiären Freuden und Verpflichtungen widme. Neuerdings nach dem Ende der Elternzeit gehe ich auch wieder einer Erwerbstätigkeit nach.
Daher stehen mir momentan lediglich die Abendstunden sowie gelegentliche Zeitfenster am Wochenende zur Verfügung, um mich schriftstellerisch zu betätigen.
Hinzu kommen die Fahrten in der S-Bahn zu meinem Bürojob und zurück, also nochmals etwa dreißig Minuten pro Fahrt, die mit Schreibarbeit gefüllt werden können.
So weit so gut die Theorie.
Schlaf opfern, Schlaf nachholen
Meistens arbeite ich zu den verrücktesten Uhrzeiten (ein großer Teil dieses Textes zum Beispiel ist nach 22 Uhr entstanden).
Wenn ich also an einem Abend von etwa 21:30 bis 23:30 Uhr an meiner Karriere als Künstlerin arbeite, bin ich am darauffolgenden so müde, dass ich schon um halb neun einschlafe, manchmal noch in Jogginghose. Nachts werde ich dann wach, taumle schlaftrunken ins Badezimmer, putze Zähne, wasche mir das Gesicht, finde die Schlafanzughose nicht, lege mich nur mit Shirt wieder ins Bett und schlafe weiter.
Am nächsten Tag fühle ich mich einigermaßen erholt und habe wieder genug Energie, um abends zu schreiben oder mich mit Social Media zu beschäftigen. Nur damit ich am Abend danach wieder vor der Zeit einschlafe.
Auf diese Weise hat sich eine ganz eigene Routine etabliert − Schlaf opfern, Schlaf nachholen. Eine in sich geschlossene Gleichmäßigkeit, die zwischen Erschöpfung und Motivation pendelt.
Neugierige Sitznachbar:innen
Neben den Abendstunden kann ich noch über die Fahrten in der S-Bahn verfügen.
Sobald ich einsteige, suche ich mir ein Plätzchen ganz hinten oder vorne im Waggon, am besten sitzt niemand hinter mir, der mir auf den Bildschirm gucken kann. Ich fühle mich sonst beobachtet, ganz gleich, ob sich der Hintermann überhaupt für meinen in der Schreibdatei geöffneten Text interessiert oder nicht.
Haltestelle für Haltestelle sind die Plätze nach und nach alle belegt und etwa ab der Hälfte der Strecke muss ich die Sitzbank mit jemandem teilen.
Für die Konzentration ist es natürlich nicht gerade förderlich, wenn mein:e Sitznachbar:in neugierig auf meinen Bildschirm schielt.
Deshalb übe ich mich aktuell in Gleichgültigkeit, drehe die Musik im Kopfhörer lauter und versuche zu lächeln, wenn sich die Blicke kreuzen.
Meine Webseite aktuell halten
Vielleicht habt ihr ja schon auf meinem Instagram-Account, Bluesky oder Youtube vorbeigeschaut.
Der Zustand meiner Profile ist leider nicht so, wie ich ihn gerne hätte. Das liegt daran, dass ich dachte, ich könne es irgendwie nebenbei machen. Genauso wie ich mir vorstellte, ich könne in einem freien Stündlein Blogbeiträge für meine Webseite aus dem Ärmel schütteln.
Für die Webseite habe ich mir vorgenommen, dass ich einmal im Monat einen Beitrag hochlade.
Das muss vorerst reichen, damit sie aktuell bleibt und weil ich es bevorzuge, an meinem zweiten Buch zu arbeiten, das ich vor etwa drei Monaten begonnen habe.
In Social Media Zeit investieren
Social Media betreffend bin ich unsicherer, wie viel von meiner Schreibzeit ich dafür opfern möchte. Ich glaube, dass es an meiner fehlenden Erfahrung in diesem Bereich liegt.
Selbstverständlich mache mir viele Gedanken zu diesem Thema: Welche Art von Content repräsentiert mich am besten? Welchen Kanal sollte ich stärker bespielen − Youtube oder Instagram?
Es ist sehr wichtig, ich weiß. Immerhin färbt mein Online-Auftritt auch darauf ab, wie meine schriftstellerische Arbeit wahrgenommen wird. Und die Insights auf Instagram halten mir vor Augen, dass ich darüber tatsächlich sichtbarer werde.
Trotzdem fange ich an zu prokrastinieren, wenn ich eigentlich Content erstellen oder mich mit meiner Social-Media-Strategie beschäftigen sollte. Ich schreibe dann doch lieber an meinem zweiten Buch (oder an einem Blogbeitrag).
Ich muss einfach schreiben
Die Bedingungen sind offensichtlich nicht ideal. Ich könnte das Schreiben sein lassen, dann hätte ich wieder mehr Zeit für Sport, Familie und Freund:innen, für Ruhe und mehr Schlaf.
Trotzdem schreibe ich weiter.
Ich brauche es und ich will es, so sehr wie nie zuvor.
Es schärft mein Denken, es bildet meinen Humor, es fordert mich heraus, mich in Themen tiefer einzuarbeiten und ich kann meinen Gefühlen Ausdruck verleihen.
Außerdem bin ich noch nie so weit gekommen wie jetzt: erster Jugendroman fertig, zweites Buch in Arbeit, die Grundlagen für eine Webpräsenz und für Social Media sind geschafft.
Ich höre nicht mehr auf zu schreiben und an meiner Karriere als Schriftstellerin zu arbeiten − auch wenn ich an manchen Tagen nur wenige Minuten dafür übrig habe.
👍❤️🙂
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Deine Mira Farland

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