Ein hart umkämpfter Markt
9500 Neuerscheinungen in der Belletristik, allein im Jahr 2025.
Die Zahl ist mir letzte Woche untergekommen und ja, sie beeindruckt mich. Aber es ist nicht mehr neu für mich als noch unveröffentlichte Autorin, mit einem Überangebot an Literatur konfrontiert zu werden – sei es in Form von Zahlen, seien es die gefüllten Bücherregale in Bibliotheken oder Buchhandlungen.
Und dann gibt es noch KI-Slop, der tagtäglich haufenweise ins Netz gekippt wird und das Leben von Selfpublisher:innen erschwert bis unmöglich macht.
Trotz des hart umkämpften Marktes halte ich an meinem Jugendroman TRAUMHAFT fest, allerdings haben sich meine Erwartungen an einen literarischen Erfolg verändert.
Wie ich aktuell die Erfolgschancen von TRAUMHAFT einschätze, erfahrt ihr in diesem Beitrag.
Man reiche mir Zahlen
Meine Erwartungshaltung ist, sagen wir einmal so, bodenständiger geworden, seitdem ich mich mit der wirtschaftlichen Entwicklung des deutschen Buchmarkts auseinandersetze.
Als Autorin eines noch unveröffentlichten Romans ist es wichtig, dass ich die Umsatzzahlen kenne, weil ich davon die nächsten Handlungsschritte ableiten kann.
Auf der Webseite vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels können wichtige Zahlen nachgeschlagen werden, wo man auch eine 24 Seiten lange PDF herunterladen kann. Darin werden Zahlen und Trends des Buchmarktes in den Jahren von 2009 bis 2025 zusammengefasst.
Auf den ersten Blick sieht es für Neuerscheinungen nicht besonders rosig aus:
- Neuerscheinungen sind um 9,8 Prozent zurückgegangen, weil Verlage in wirtschaftlich unsicheren Zeiten vorsichtiger planen.
- Der Umsatz, den Verlage mit Kinder- und Jugendbüchern machen, ist im Vergleich zum Vorjahr (sprich 2024) um 2,4 Prozent zurückgegangen.
- Novitäten machen weniger als die Hälfte des Buchmarktes aus: Mehr als die Hälfte der pro Jahr verkauften Bücher sind Backlist-Titel (d.h. Erscheinungstag liegt beim Verkauf mehr als 12 Monate zurück).
Möglicherweise machen es die Umsatzrückgänge im Bereich Kinder- und Jugendbücher vor allem Neueinsteiger:innen wie mir schwerer, ihre Geschichten verlegen zu können. Das könnte aber nicht der einzige Grund sein.
Die zeitlichen Kapazitäten sind erschöpft
Einige der größeren Jugendbuch-Verlage und Literaturagenturen, die Autor:innen von Jugendbüchern vertreten, prüfen aktuell gar keine neuen Manuskripte mehr.
Ich kann mich zum Beispiel nicht beim Arena Verlag bewerben, obwohl TRAUMHAFT sehr gut ins Angebot passen würde (Stand September 2026).
Auf Instagram ist mir außerdem der Beitrag einer interessanten Agentur aufgefallen, die für mehrere Monate die Schotten dicht macht.
Neben sinkenden Umsatzzahlen verdächtige ich die KI, Schuld daran zu haben, dass etablierte Netzwerke und Publikumsverlage keine neuen Manuskripte mehr annehmen. Ich vermute, dass sie in den vergangenen Jahren von KI-generierten Texten überflutet wurden und ihre zeitlichen Kapazitäten deshalb vorerst erschöpft sind.
Stecke ich in einer Sackgasse?
Immerhin scheint die Bereitschaft, die Geschichten unbekannter Autor:innen zu veröffentlichen, nicht groß zu sein und den Weg als Selfpublisherin zu gehen, würde bedeuten, meine Geschichte in einen gigantischen KI-Tiefseestrudel zu stoßen.
Die Ungeduld klopft an
Im November 2025 beendete ich die aktuelle Fassung von TRAUMHAFT und seitdem bin ich auf der Suche nach einer Agentur oder direkt einem Verlag.
Ich war auf der Leipziger Buchmesse und ich arbeite daran, den Titel bekannter zu machen (so gut es eben geht neben den Verpflichtungen des Alltags).
Trotzdem werde ich mittlerweile richtig ungeduldig – zu lange schon weiß ich nicht, wie es mit TRAUMHAFT weitergehen soll.
Das Medium wechseln?
Ich bin dabei den Glauben zu verlieren, TRAUMHAFT über einen Publikumsverlag veröffentlichen zu können. Gleichzeitig bezweifle ich es stark, dass ich die Geschichte im Selfpublishing als gedruckten Text bekannt machen kann.
Sollte ich vielleicht das Medium wechseln?
Bitte nagelt mich nicht daran fest, was ich jetzt kommt, aber ich bin auf der Webseite vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels auch auf folgende interessante Zahl gestoßen:
- Hörbücher durch Streaming und Downloads sind um 13,2 Prozent im Umsatz gestiegen.
TRAUMHAFT … wird vielleicht doch ein Hörbuch? Ich weiß es nicht, noch nicht. Aber die Idee gefällt mir.
Eine Lücke finden
Für den Fall, dass ich TRAUMHAFT doch auf eigene Faust veröffentlichen sollte, merke ich mir die Idee mit dem Hörbuch.
Es wäre eine Lücke, die ich als Selfpublisherin bespielen könnte, weil die KI beim Streaming die Chancen auf Sichtbarkeit noch nicht gänzlich davongespült hat. Hier bin ich vielleicht nur eine unter zig Tausenden, statt eine unter Millionen.
Bis Ende des Jahres werde ich also noch ein paar Beiträge auf Instagram hochladen und mich auch hoffentlich meinen peinlich vernachlässigten Youtube-Kanal widmen.
Danach werde ich TRAUMHAFT veröffentlichen – auf den ein oder anderen Weg.
Und dann? Na, dann setze ich mich an eine Fortsetzung.

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