Nach einem flotten Start folgten Zweifel
Die erste Idee für eine Geschichte hatte mich ergriffen − und sie drängte, ausgebaut und zu Papier gebracht zu werden.
Ich schrieb eigentlich sofort los, aber nach einem flotten Start überkamen mich Zweifel:
Würde ich auf diese Weise die Geschichte von Anfang bis Ende schreiben können? Oder müsste ich mich irgendwann einer anderen Methode bedienen?
Wie genau sich meine einzelnen Schreibphasen methodisch unterschieden, stelle ich euch im Folgenden vor.
Plotter oder Pantser − wer schreibt schneller und besser?
Autor:innen werden gerne in zwei Lager unterteilt: in Plotter und Pantser.
Erstere konstruieren vor dem eigentlichen Schreiben die Handlung (daher der Name: Sie plotten), erstellen Portraits aller Figuren, skizzieren die Welt und durchdenken alle darin verflochtenen Konflikte.
Der Autor:innentyp namens Pantser − eine freie Übersetzung könnte sein: „jemand, der sich auf den Hosenboden setzt“ − beginnt ohne Vorarbeit mit dem Schreiben. Das Plotten und Worldbuilding holt er später nach.
Mein erster Impuls: losschreiben!
Da ich vorher noch nie ein Buch geschrieben hatte, wusste ich zunächst nicht, welche Methode die richtige für mich wäre. Das verunsicherte mich, aber zugleich war ich auch sehr ungeduldig:
Meine Idee sollte schnellstmöglich an Substanz in Form von geschriebenem Text gewinnen. Am liebsten hätte ich mich in einen Oktopus verwandelt, um mit meinen acht Armen vier LibreOffice-Dateien gleichzeitig mit Inhalt zu füllen.
Vorab aufwendig zu planen und alle eventuellen Konflikte zu durchdenken, schreckte mich deshalb ab. Mein erster Impuls war also pantserlike direkt loszuschreiben. Und das tat ich auch.
Die Methode hatte 4 Vorteile
In der ersten Arbeitsphase schrieb ich alles, was mir durch den Kopf ging, nieder, ohne dass ich mich dabei an einem vorgegebenen Plot orientierte. Auch in späteren Phasen gab ich mich gerne dem vogelwilden Schreiben hin, weil es unter anderem diese vier Vorteile hatte:
- Ich erzielte schnell Ergebnisse, d.h. konkretes Textmaterial, mit dem ich weiterarbeiten konnte.
- Mit den steigenden Seitenzahlen wuchs auch die Motivation.
- Meine Figuren fühlten sich nicht wie Statisten eines vorgefertigten Plots an, sondern sehr lebendig.
- Es ergaben sich Plottwists, die mich selbst überraschten.
Momente der Unsicherheit
Nach einer Weile allerdings stellten sich Zweifel ein:
Käme ich aufgrund eines fehlenden Fahrplans bald an einen Punkt, an dem ich mich verirren und die Geschichte im Nirgendwo stranden würde?
Ich befürchtete, dass die Geschichte unvollendet bliebe − all die vorherige Mühe und investierte Zeit wären umsonst gewesen und ich persönlich entmutigt über den Fehlschlag.
Viel Textmaterial
Im Laufe der ersten Arbeitsphase hatte ich so viel Textmaterial gesammelt, dass ich in Gefahr lief, den Überblick zu verlieren. Ich starrte zuerst ratlos und − ich gebe es zu − auch ein bisschen verzweifelt auf das kreative Chaos, das meine Schreibwut hinterlassen hatte.
Die Arbeitsweise, mit der ich anfänglich so produktiv gewesen war, brachte mich nun nicht mehr weiter. Das verunsicherte mich zunächst, bis ich verstand, dass ich am Beginn einer neuen Schreibphase stand.
Ich musste jetzt Ideen aussortieren − und zwar auf der Grundlage eines Plots.
Chronologie: die erste Struktur konzipieren
Der Wunsch, das ausführliche Brainstorming zu beenden und meine Ideen zu sortieren und auszusieben, überkam mich nach etwa fünfzig Seiten. Zu diesem Zweck legte ich eine erste chronologische Struktur an.
Dann begann ich, die Lücken zu füllen, bis ich einen neuen Entwurf vorliegen hatte, in dem die Handlung einen vollständigen zeitlichen Rahmen erhalten hatte.
Zwar ergab sich daraus auch ein erster Plot, aber ich stellte fest, dass es der Geschichte noch zu sehr an Geschwindigkeit fehlte. Es wurde Zeit, mich der dramaturgischen Arbeit zu widmen.
Dramaturgie: den Spannungsbogen aufziehen
Die Handlung brauchte zu dem Zeitpunkt keinen Ausgangskonflikt mehr, aber es fehlte ein deutliches Ziel, nach dem die Hauptfigur strebte. Außerdem wollte ich mir über den Zweck der einzelnen Etappen bis zum Ende klar werden.
Ich erstellte deshalb ein separates Textdokument, in dem ich die Entwicklung der einzelnen Konflikte bis zum Höhepunkt jeweils in kurzen Sätzen zusammenfasste.
Schön wäre natürlich auch ein Poster mit einem aufgemalten Spannungsbogen gewesen. Ich glaube, dass die visuelle Darstellung beim Plotten enorm hilft. Aber da ich nur abends und ausschließlich im Bildschirmlicht arbeiten konnte, musste das Textdokument ausreichen.
Durch das Zusammenfassen der Szenen konnte ich mir logische Fehler und inhaltliche Lücken besser vor Augen führen.
Die Arbeitsphase gab die Methode vor
Mein Schreibprozess durchlief unterschiedliche Phasen. Schreiben wechselte sich ab mit Planen. Letztlich ergab sich die Methode mit der Arbeitsphase, in der ich mit dem Manuskript gerade steckte. Daher bin ich weder ein reiner Pantser noch ein aalglatter Plotter.
Stattdessen machte ich die Erfahrung, dass es wichtig ist flexibel zu bleiben. Als Autor:in sollte man die Methode ändern, wenn man unsicher wird, nicht mehr weiterkommt oder in Gefahr läuft, den Überblick zu verlieren. Meistens ist das ein gutes Zeichen, weil es bedeutet:
Die Zeit ist reif für eine neue Arbeitsphase.
👍❤️🙂
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Deine Mira Farland
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