Große Hoffnungen

Erst zählte ich die Wochen, dann die Tage, bis ich in Leipzig auf der Buchmesse sein würde. Große Hoffnungen waren mit meinem Besuch am Donnerstag und Freitag verbunden:

Würde ich die richtigen Kontakte knüpfen können, die mir bei der Veröffentlichung meines Jugendromans helfen?

Gleichzeitig war mir bereits im Vorfeld auch bewusst, dass viele noch unentdeckte Autor:innen wie ich nach Leipzig reisen, um sich mit Verleger:innen zu vernetzen.

Ob sich meine Erwartungen erfüllen konnten, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Verpasste Lesung

Donnerstag, 19. März

Ich steige aus dem Zug am Leipziger Hauptbahnhof und hetze zu den Schließfächern. In einer halben Stunde liest Ursula Poznanski aus Erebos 3 im Halle 5 e.V.

Ich muss also direkt aus dem Zug in die Straßenbahn fallen – aber bitte ohne Reiserucksack.

Ursula Poznanski ist eine erfolgreiche Jugendbuchautorin und da ich ebenfalls ein Jugendbuch geschrieben habe, möchte ich sie unbedingt live erleben.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich nicht nur ein signiertes Exemplar abstauben, sondern stelle mir auch vor, wie ich mit ihr fast schon nebenbei ins Gespräch komme. Dabei kann ich sie sogar von mir überzeugen, so sehr, dass sie mir von sich aus anbietet, den Kontakt ihres Lektors oder ihrer Verlegerin für mich herzustellen.

Aber schon die Schließfächer am Leipziger Hauptbahnhof machen mir einen Strich durch die Rechnung, weil – Überraschung – sie alle belegt sind.

Ich muss also doch zuerst ins Hotel, um meinen Rucksack abzugeben und verpasse die Lesung.

Erste Zweifel stellen sich ein

Ich hatte mir vorgestellt, dass sich Gespräche mit einflussreichen Akteur:innen aus dem Literaturbetrieb spontan ergeben würden. Ich würde ihnen ganz zufällig an Bücherständen begegnen oder beim Bestellen eines Kaffees.

Aber schon vor Betreten der Hallen wird deutlich, dass viele Besucher:innen dieselbe Hoffnung wie ich teilen, und einige von ihnen wollen ihren Erfolg nicht dem Zufall überlassen.

Sie werben ganz offen für ihre Projekte mit T-Shirts, auf denen ich Aufschriften lese wie:

  • „Auf der Suche nach Illustrator:innen, Autor:innen und Comiczeichner:innen“
  • „Sprechen Sie mich auf mein Buch an“

Meine Zuversicht beginnt zu bröckeln – noch bevor mein erster Messetag überhaupt richtig begonnen hat und ich frage mich:

Wie soll ich unter all diesen unentdeckten Autor:innen hervorstechen?

Durchatmen, Kopf hoch

Ich war sehr naiv, das wird mir schnell schmerzlich bewusst, und die erste Lektion, die ich lernen muss, lautet:

Es genügt nicht, ein Buch geschrieben zu haben, und sei es auch noch so gut.

Trotzdem möchte ich mich nicht entmutigen lassen. Wenn ich mit einem Regenwettergesicht durch die Messehalle laufe, werde ich ganz sicher nicht erfolgreicher sein.

Also: Kopf hoch.

Ich setze mich ins Publikum vor der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat und lausche der Autorin Dita Zipfel und dem österreichischen Buchpreisträger 2025 Dimitré Dinev.

In diesem Moment genieße ich es einfach, die Buchmesse live zu erleben.

Ab in die buchbar

Schon im Zug nach Leipzig hatte ich mir ein Programm zusammengestellt.

Mit drei Ausrufezeichen und unterstrichen markierte ich die Vorstellung der Debütant:innen in der buchbar – dort präsentieren junge Autor:innen ihre ersten Werke.

Auf dem Weg dahin lerne ich einen Journalisten kennen, der für Skateboard-Magazine schreibt und einen Podcast betreibt. Ich spreche mit ihm ganz offen über mein Ziel, Schriftstellerin zu werden und obwohl er wie ich davon träumt, sein Buch groß zu verlegen, ist er weniger enthusiastisch. Stattdessen wirkt er verunsichert und kritisiert den Elitarismus innerhalb der Buchbranche.

Umso mehr möchte ich jetzt diese jungen Talente in der buchbar erleben, deren Werke vor Kurzem veröffentlicht wurden. Was haben sie richtig gemacht, dass sie so weit gekommen sind?

Die Debütant:innen stellen sich vor

Als der Journalist und ich uns schließlich einen heißen Kaffee am Tresen der buchbar bestellt haben und ihn auf dem Boden sitzend schlürfen (es sind so viele Besucher:innen gekommen, dass alle Plätze an den Tischen belegt sind), höre ich den jungen Autor:innen gespannt zu. Mir fällt auf, wie selbstbewusst sie wirken und wie charismatisch sie sind. Sie bringen das Publikum zum Lachen, sprechen locker und ohne zu Stocken und nehmen dem Gesagten nicht durch unnötige Ähms oder Füllwörter die Kraft.

Auf mich wirken sie schon sehr geübt im Umgang mit Presse und Publikum und weniger wie Debütant:innen.

Die Bücher, die sie vorstellen, sind auch nicht ihre Erstlingswerke. Sie haben bereits publiziert, beispielsweise Gedichtbände und Kurzgeschichten. Dass sie heute in der buchbar am Tresen ihre Veröffentlichungen vorstellen können, ist bereits jahrelanger schriftstellerischer Arbeit und einem solide aufgebauten Netzwerk zu verdanken, glaube ich.

Am Plan festhalten – oder doch nicht?

So spannend ich die Gespräche mit den Debütant:innen finde – in meinem Notizheft habe ich mir zuvor die Nominierung für den Kinder- und Jugendbuchpreis herausgeschrieben. Ich habe mir fest vorgenommen, diesem Programmpunkt beizuwohnen, um hoffentlich andere aufstrebende Jugendbuchautor:innen kennenzulernen.

Also trinke ich den letzten Tropfen Kaffee und verlasse die buchbar, obwohl die Gespräche mit den Debütant:innen noch voll im Gange sind und ich damit die Gelegenheit, sie anzusprechen, verpassen werde.

Im Nachhinein frage ich mich:

Hätte ich besser in der buchbar bleiben sollen?

Niemand kann mich doch besser verstehen als andere junge Autor:innen. Vielleicht hätte mir einer von ihnen den alles verändernden Tipp geben können, wie ich den Fuß in die Tür bekomme.

Unerreichbare Autor:innen

Wie ich es mir vorgenommen habe, wohne ich der Nominierung für den Kinder- und Jugenbuchpreis bei und ehrlich gesagt bereue ich es ein wenig, die buchbar hinter mich gelassen zu haben. Nicht, weil ich die Werke und Autor:innen, die auf der Großen Bühne präsentiert werden, langweilig finde, sondern weil ich während der Nominierung am Rand neben den Tribünen im Dunklen stehe.

Die Autor:innen und Verleger:innen der gelisteten Bücher sitzen natürlich alle in den ersten Reihen vor der Bühne und sind somit für mich unerreichbar.

Mehr Spontanität statt strenges Programm

Nach dieser ernüchternden Erfahrung gestehe ich mir mehr Spontanität zu.

Ich möchte weniger Zuschauerin sein, mehr Gespräche führen und Menschen aus dem Literaturbetrieb persönlich kennenlernen.

Die richtig schönen Momente ergeben sich dann tatsächlich ganz kurzfristig und ungeplant, weil ich mir die Zeit nehme, durch die Hallen vorbei an den Verlagsständen zu flanieren. An den Ständen selbst werben Verlage für ihre eigenen Programmpunkte, die mir auf der Webseite der Leipziger Buchmesse gar nicht aufgefallen sind.

Meine 3 Highlights auf der Buchmesse sind:

  • Die Comiczeichnerin Ulli Lust signiert mir den zweiten Teil von Die Frau als Mensch am Stand des Reprodukt-Verlags
  • Die Schriftstellerin Cornelia Franz stellt ihr neues Jugendbuch Scheinland vor und signiert mir ein Exemplar.
  • Ich erlebe Denis Scheck live auf der Literaturbühne.

Nach Perlen tauchen

Mit den Austeller:innen der kleineren Verlage komme ich dann auch sehr schnell und einfach ins Gespräch. Außerdem kann ich dort wunderbar nach Perlen tauchen.

Am Stand des Ventil Verlags lese ich in Staaten von Christoph Höhtker hinein – es gefällt mir, und ich nehme das Buch spontan mit.

Spontan zu sein ist manchmal besser als einem Stundenplan folgen

Den einflussreichen Verleger, der mein Buch entdeckt, lerne ich in Leipzig nicht kennen und auch werde ich mit keiner berühmten Schriftstellerin ins Gespräch kommen.

Das wurde mir ehrlich gesagt schon am Donnerstagmittag klar, als ich als kleiner Fisch im riesigen Besucher:innenstrom über das Messegelände trieb.

Mein ursprünglich durchgetaktetes Programm habe ich im Laufe der zwei Tage über Bord geworfen und mir mehr Spontanität erlaubt.

Und das war gut so, weil:

  • Ich habe spannende Gespräche geführt
  • Bücher signieren lassen
  • neue Verlage entdeckt
  • mich inspirieren lassen

Die Leipziger Buchmesse 2026 hat sich für mich definitiv gelohnt.

Vor allem hat sie mich dazu angeregt, meine nächsten Schritte als Autorin neu zu überdenken.


👍❤️🙂

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Deine Mira Farland

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