Große Hoffnungen

Erst zählte ich die Wochen, dann die Tage, bis ich in Leipzig auf der Buchmesse sein würde. Große Hoffnungen waren mit meinem Besuch am Donnerstag und Freitag verbunden – endlich würde ich mit Gestalter:innen des Buchbetriebs persönlich ins Gespräch kommen können.

Vielleicht, nein – ganz bestimmt! – würde ich in Leipzig jemanden aus einem Publikumsverlag kennenlernen, der mir beim Veröffentlichen meines Jugendromans helfen würde.

Das erwartete ich.
Was ich aber unterschätzte: Tausende reisen mit derselben Hoffnung nach Leipzig.

Konnte ich trotz der Besucher:innenmassen hervorstechen?

In diesem Beitrag erfahrt ihr, wie Leipzig 2026 für mich lief.

Verpasste Lesung

Donnerstag, 19. März

Ich steige aus dem Zug am Leipziger Hauptbahnhof und hetze zu den Schließfächern. In einer halben Stunde liest Ursula Poznanski aus Erebos 3 im Halle 5 e.V. – der Ort ihrer Lesung befindet sich nicht auf dem Messegelände, sondern in einem Jugendzentrum in Leipzig-Connewitz.

Ich muss also direkt aus dem Zug in die Straßenbahn fallen – aber bitte ohne fetten Reiserucksack.

Da Ursula Poznanski eine erfolgreiche Jugendbuchautorin ist, möchte ich sie unbedingt live erleben und:

Ein signiertes Exemplar abstauben. Mit ihr ins Gespräch kommen. Sie von mir überzeugen. Vielleicht sogar den Kontakt ihres Lektors oder ihrer Verlegerin bekommen.

Aber schon die Schließfächer am Leipziger Hauptbahnhof machen mir einen Strich durch die Rechnung.

Weil – Überraschung – sie alle belegt sind.

Warum bloß? Vielleicht, weil die Stadt gerade von Buchfans überschwemmt wird, die alle, genau wie ich, ihr Gepäck loswerden wollen.

Am Ende verpasse ich die Lesung, weil ich erst ins Hotel muss, um meinen Rucksack abzugeben.

(Noch) unerschütterlicher Optimismus

Im Hotel ziehe ich mich um und freue mich, dass ich mich kurz frisch machen kann. Ich genehmige mir einen Kaffee in der Lobby.

So tragisch ist es ja nicht, dass ich die Lesung verpasst habe – bestimmt laufe ich Ursula Poznanski zufällig auf dem Messegelände über den Weg.

Dann kann ich das Gespräch ja nachholen.

„Zufällig auf dem Messegelände“ – dieses Stichwort beschreibt ziemlich gut den Optimismus, mit dem ich nach Leipzig gefahren bin.

Deshalb trage ich auch Die Geschichten in uns von Benedict Wells während der zwei Tage durch die fünf Messehallen spazieren. Ich stelle mir vor, ihm „zufällig“ zu begegnen und mir das Buch signieren zu lassen.

Genauso wie ich − ist doch klar! − „zufällig“ meinen zukünftigen Verleger und meine zukünftige Lektorin kennenlernen werde.

Ob das aufgeht?

Erste Zweifel

Noch bevor ich das Gelände überhaupt betrete, fallen mir die T-Shirts einiger Besucher:innen auf.

Aufdrucke wie:

  • „Auf der Suche nach Illustrator:innen, Autor:innen und Comiczeichner:innen“
  • „Sprechen Sie mich auf mein Buch an“

werben ganz offen für ihre Projekte.

Persönlich ist mir das etwas zu in your face. Aufdringlich wäre vielleicht zu viel gesagt – schließlich bleibt es einem selbst überlassen, diese Menschen anzusprechen.

Aber genau das bringt mich ins Grübeln.

Meine Zuversicht beginnt zu bröckeln – noch bevor mein erster Messetag überhaupt richtig begonnen hat.

Wie soll ich unter all diesen unentdeckten Autor:innen hervorstechen?

Durchatmen, Kopf hoch

Ich beschließe, mich nicht entmutigen zu lassen.

Wenn ich mit einem Regenwettergesicht durch die Messehalle laufe, werde ich ganz sicher nicht erfolgreicher sein. Wer will schon eine desillusionierte Schriftstellerin verlegen?

Also: Kopf hoch.

Ich setze mich ins Publikum vor der Literaturbühne von ARD, ZDF und 3sat und lausche der Autorin Dita Zipfel und dem österreichischen Buchpreisträger 2025 Dimitré Dinev.

In diesem Moment genieße ich es einfach, die Buchmesse live zu erleben.

Ab in die buchbar

Schon im Zug nach Leipzig hatte ich mir ein Programm zusammengestellt.

Mit drei Ausrufezeichen und unterstrichen markierte ich die Vorstellung der Debütant:innen in der buchbar – dort präsentieren junge Autor:innen ihre ersten Werke.

Am Plan festhalten – oder doch nicht?

Noch bevor alle Debütant:innen ihre Arbeit vorgestellt haben, reiße ich mich los und gehe weiter zur Großen Bühne. Ich möchte unbedingt bei der Nominierung für den Kinder- und Jugendbuchpreis dabei sein.

Im Nachhinein frage ich mich:

Hätte ich besser in der buchbar bleiben sollen?

Niemand kann mich doch besser verstehen als andere junge Autor:innen. Vielleicht hätte mir jemand einen konkreten Tipp geben können.

Aber: Hätte, hätte – wer weiß das schon.

Ich will die Jugendbuch-Bubble kennenlernen, also halte ich zunächst an meinem Plan fest.

Spontanität statt Programm

Schon am ersten Messetag werfe ich mein durchgetaktetes Programm über Bord.

Ich möchte weniger Zuschauerin sein, mehr Gespräche führen und Menschen aus dem Literaturbetrieb persönlich kennenlernen.

Benedict Wells treffe ich zwar nicht „zufällig auf dem Messegelände“.

Dafür:

  • signiert mir die Comiczeichnerin Ulli Lust den zweiten Teil von Die Frau als Mensch am Stand des Reprodukt-Verlags
  • stolpere ich ganz zufällig in ein Gespräch mit Cornelia Franz und
  • lasse mir ihr neues Buch Scheinland signieren

Nach Perlen tauchen

Ein großer Vorteil der Leipziger Buchmesse:

Neben bekannten Namen sind auch viele kleinere Verlage vertreten.

Man kann wunderbar auf Entdeckungstour gehen und nach Perlen tauchen.

Am Stand des Ventil Verlags lese ich in Staaten von Christoph Höhtker hinein – es gefällt mir, und ich nehme das Buch spontan mit.

Fazit: Spontanität schlägt Erwartungen

Den einflussreichen Verleger, der mein Buch entdeckt, lerne ich in Leipzig nicht kennen.

Das wurde mir ehrlich gesagt schon am Donnerstagmittag klar, als ich als kleiner Fisch im riesigen Besucher:innenstrom über das Messegelände trieb.

Mein ursprünglich durchgetaktetes Programm habe ich im Laufe der zwei Tage über Bord geworfen und mir mehr Spontanität erlaubt.

Und das war gut so.

Denn:

  • Ich habe spannende Gespräche geführt
  • Bücher signieren lassen
  • neue Verlage entdeckt
  • mich inspirieren lassen

Die Leipziger Buchmesse 2026 hat sich für mich definitiv gelohnt.

Vor allem hat sie mich dazu angeregt, meine nächsten Schritte als Autorin neu zu überdenken.


👍❤️🙂

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Deine Mira Farland

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