Die Agentin forderte das gesamte Manuskript an
Ich bewarb ich mich mit einem Exposé bei einer Literaturagentur und tatsächlich:
Eine Agentin meldete sich zurück und forderte das gesamte Manuskript an.
Meine Idee hatte sie neugierig gemacht und mein Schreibstil gefiel ihr auch gut, aber nach der Prüfung lehnte sie das Projekt letztendlich doch ab.
Was waren die Gründe für die Absage?
Im folgenden Beitrag gehe ich ihnen nach. Außerdem erfahrt ihr, was ich vom fachlichen Austausch mit der Agentin lernen konnte − und inwieweit sich mein Manuskript dadurch verbesserte.
Warum bewarb ich mich bei einer Agentur?
Eine seriöse Literaturagentur arbeitet auf Provisionsbasis. Sie verlangt vorab kein Geld von den Autoren, die sich bei ihr bewerben. Stattdessen erhält sie einen Anteil der Einkünfte, die über den Verkauf des Buches generiert werden. Eine Agentur hat deshalb ein wirtschaftliches Interesse, ein Buch an den Verlag zu bringen.
Als Autorin eines unveröffentlichten Romans dachte ich:
Je mehr Personen an den Erfolg meiner Geschichte glauben (müssen), desto mehr wird auch in sie investiert − nicht nur allein von mir, sondern auch von Seiten des Verlags und der Agentur.
Der zweite Grund war, dass Literaturagenturen erfahren sind im Aushandeln von Verträgen mit den Verlagen − und damit kannte ich mich nicht aus.
Natürlich möchte ich als Autorin fair entlohnt werden, damit ich es mir finanziell erlauben kann, das nächste zu schreiben.
Eine vielversprechende Agentur
In Deutschland gibt es sehr viele Literaturagenturen, die noch mehr Autoren vertreten. Deshalb musste ich mir zuerst einen Überblick verschaffen und konnte recht bald die seriösen von den weniger seriösen unterscheiden.
Die meisten Agenturen haben sich auf etwa drei Genres spezialisiert. Da es sich bei meinem Buch um ein Jugendbuch handelt, konnte ich weiter aussieben.
Schließlich entschied ich mich für eine Literaturagentur mit einem vergleichsweise kleinen Katalog an Autoren. Ich erhoffte mir davon eine persönlichere Betreuung.
Ich bereitete die Bewerbung vor
Auf der Webseite erklärte die Literaturagentur, was eine Bewerbung beinhalten sollte. Dazu gehörte unter anderem eine Leseprobe der ersten 30 Seiten.
Auf eine Deadline hinarbeiten
Nach drei Tagen erhielt ich eine Antwort in meinem E-Mail-Postfach. Meine Leseprobe hatte die Agentin neugierig auf das gesamte Manuskript gemacht. Sie schlug vor, dass wir telefonieren könnten, damit ich ihr vorab mehr über meine Geschichte erzählen könne.
Ich freute mich riesig − und hatte ein Problem: Meine Geschichte war noch gar nicht fertig.
Das schreckte die Agentin zum Glück nicht ab, sondern sie schlug mir eine Deadline vor, bis wann ich das gesamte Manuskript einsenden sollte. Sie sagte, dass meine Idee sehr schön sei und sie in der Geschichte großes Potenzial sehe. Das ging natürlich runter wie Öl und motivierte mich sehr.
Nun begannen für mich sehr arbeitsreiche Wochen mit wenig Schlaf, während denen ich wie auf Wolken schwebte. Ich war meinem Traum, ein Buch zu veröffentlichen, noch nie so nah gekommen.
Warten auf Rückmeldung
Bevor ich das vollständige Manuskript der Literaturagentur vorlegte, gab ich es zwei Testlesern. Sie hatten noch einiges an Kritik geäußert, an der ich mich bis zum Abgabetermin eifrig abarbeitete.
Mit großer Spannung wartete ich auf die Rückmeldung der Agentin. Und die ließ einige Wochen auf sich warten, was kein gutes Zeichen war. In der Zwischenzeit las ich das abgeschickte Manuskript wieder und wieder und entdeckte immer mehr Fehler. Tatsächlich erreichte mich nach einer guten Weile schließlich die Ablehnung per E-Mail.
So beurteilte die Agentin meine Geschichte
Die Absage war nicht nur negativ. Zuerst einmal lobte die Agentin meinen Schreibstil. Die Grundidee gefiel ihr immer noch gut.
Allerdings bemängelte die Agentin die Umsetzung. Ich hatte in meine Geschichte zu viele Elemente unterschiedlicher Genres eingebaut. Sie erklärte:
Ein Publikumsverlag würde es aufgrund dessen schwer haben, die Geschichte auf dem Buchmarkt zu positionieren.
Nach der Absage folgte Enttäuschung
Wie ihr euch vorstellen könnt, war ich zuerst sehr enttäuscht, als mir die Literaturagentur eine Absage erteilte. Ich war meinem Traum, einen Verlag für meine Geschichte zu finden, nicht näher gekommen und hatte meine Chancen bei einer guten Agentur verspielt.
Im Nachhinein bin ich der Agentin aber sehr dankbar. Sie hatte sich Zeit genommen, meine Geschichte vollständig zu lesen und um mir ein sehr nützliches Feedback zu schreiben. Mit ihrer Kritik traf sie ins Schwarze − sie hatte genau das bemängelt, was mir selbst noch nicht am Manuskript gefiel.
Ich verstand, dass ich vieles an meiner Geschichte verändern musste. Wie sollte die Agentin auch abschätzen, ob ich dazu in der Lage wäre und wie viel Zeit ich dafür bräuchte? Natürlich konnte sie nicht auf ein fremdes Pferd setzen, von dem sie nicht wusste, wie schnell es lief.
Für ein besseres Standing
Die damalige Fassung meines Manuskripts war ein Potpourri aus Contemporary, Fantasy, Liebe und Mystery und ich stand jetzt vor der Herausforderung, den Fokus auf ein bis zwei Motive zu legen. Würde sie Geschichte danach konsistenter sein, hätte sie auch ein besseres Standing auf dem Buchmarkt − davon war ich überzeugt.
Um das zu erreichen, müsste ich viele Szenen umschreiben, streichen oder mit neuen ersetzen.
Die Kritik der Agentin motivierte mich
Während der Überarbeitung konzentrierte ich mich auf die Motive, die in den ersten 30 Seiten des Manuskripts bestehen. Mein Gedanke war:
Genau diese ersten 30 Seiten hatten die Agentin neugierig auf das Manuskript gemacht. Mir erschien es deshalb als sehr vielversprechend, genau die darin vorkommenden Motive im gesamten Text auszurollen.
Als ich nämlich die erste Enttäuschung überwunden hatte, war ich motiviert wie nie. Dass ich noch einmal ganze hundert Seiten neu schreiben musste, war − abgesehen vom fehlenden Schlaf − voll okay. Denn eigentlich war es für mich gut gelaufen:
Ich hatte Lob und konstruktive Kritik von einem Profi bekommen.
Dem Weg weiter folgen
Meine Geschichte soll bei einem Publikumsverlag veröffentlicht werden − das ist immer noch mein Wunsch.
Ich glaube, dass ich nach dem Einarbeiten der Kritikpunkte, die die Agentin äußerte, dem ein kleines Stück näher gekommen bin. Konkret heißt das, dass der Fokus in der aktuellen Fassung verstärkt auf den Genres Contemporary und Mystery liegt.
Mit dem Lob an meinem Schreibstil bekräftigte mich die Agentin, dass das Schreiben von Jugendbüchern gut zu mir passt. Es ist viel wert, zu wissen, in welchem Genre man sich als Autorin etablieren will und kann. Ich also auf dem richtigen Weg und jetzt lautet die Devise:
Nicht stehenbleiben, sondern dem Weg weiter folgen, bis ich mein Ziel erreicht habe.
Hinterlasse einen Kommentar