Wenn ich die 340 Seiten meiner ersten Geschichte in die Hand nehme und durchblättere, staune ich noch immer. Ich habe tatsächlich ein Buch geschrieben!
Die Grundlage einer jeden Geschichte sind natürlich gute Ideen. Mindestens genauso wichtig ist es, wie man diese Ideen weiterentwickelt und zu einer zusammenhängenden Handlung ausarbeitet.
Welche Faktoren begünstigten bei mir die Ideenfindung? Im folgenden Beitrag beantworte ich die Frage.
Das Rätsel der Kreativität
Kaum eine andere Frage fürchten Autoren so sehr wie:
„Woher nimmst du deine Ideen?“
Die zündende Idee für einen Roman wirkt oft wie der heilige Gral des Schreibens. Vielen Autoren fällt es schwer, darüber zu sprechen. Es fühlt sich fast so an, als würde ein Zauberer dem Publikum seine Tricks verraten.
Der britische Autor Neil Gaiman sagte in einem Interview, dass das Beantworten dieser Frage für ihn sogar mit einem gewissen Aberglauben verbunden sei. Er befürchtet, dass seine Inspiration versiegen könnte, sobald er ihre Quelle mit der Öffentlichkeit teilt.
Das eifersüchtige Hüten des eigenen Kreativgeheimnisses ist in Künstlerkreisen gar nicht so ungewöhnlich. Ein möglicher Grund dafür ist schlicht: Viele wissen selbst nicht genau, wie ihre Ideen entstehen.
Am Ende betrachtet auch der Schöpfer sein fertiges Werk mit einem gewissen Staunen – fast wie ein kleines Wunder.
Ein literarisches Vorbild haben
Während des Schreibens wunderte ich mich häufig darüber, dass mir immer wieder genau die Idee einfiel, die meine Geschichte gerade brauchte. Natürlich freute ich mich darüber – es fühlte sich wie ein Geschenk an.
Ein Faktor, der meine erste Idee sicherlich begünstigt hat, war ein literarisches Vorbild: Ich hatte gerade den Roman Kindred von Octavia E. Butler gelesen – ein Buch, das mich sehr beeindruckt hat.
Nach der Lektüre dachte ich:
„Wenn ich einmal ein Buch schreibe, soll es so intensiv sein wie dieses.“
Sich Ruhe und Bewegung gönnen
Kurz nachdem ich Kindred gelesen hatte, war ich eine Woche Wandern in Tirol.
Ich hatte Zeit zum Nachdenken und der Alltag war weit weg. Ich stieg Berge auf und ab und ließ dabei die Gedanken schweifen.
Nach einer längeren Etappe sagte ich zu meinem Bruder:
„Nach unserem Urlaub schreibe ich ein Buch.“
Und genau das tat ich. Schon am ersten Tag nach unserer Rückkehr setzte ich mich an den Computer und schrieb die erste Szene.
Der Klang von Worten und Namen
Es hilft ungemein, Zeit zu haben, um mit Ideen zu spielen und nicht schon am Anfang dem Druck ausgesetzt zu sein, baldmöglichst verwertbaren Output zu liefern.
Mein kreatives Spiel war das Erfinden von Namen und Orten.
Wie ging ich dabei vor?
- Ich änderte von bereits existierenden Namen einzelne Silben oder Buchstaben.
Die Stadt Merano im Alto Adige war das Vorbild für den fiktiven Kurort Bad Maran.
Sehr gerne bediente ich mich für Nachnamen an Adjektiven. Das spanische Wort „loco“ verwandelte ich mit einem zusätzlichen C in den Nachnamen eines alten italienischen Kauzes, den ich Gianpietro Locco nenne (der Betonung wegen können sich im Italienischen Konsonanten doppeln).
2. Bereits bestehende Begriffe und Wörter verwendete ich metaphorisch.
Wer in einem Mehrparteienhaus lebt und sich mit einem Dutzend Mietern denselben Papiercontainer teilt, kann gut nachvollziehen, weshalb ich den Paketlieferdienst in meinem Buch FLUT nannte (vor allem in der Vorweihnachtszeit quellen die wahrhaftig über).
Der Name für meinen Dichter Gregor Maria Kahl sollte beim Leser einen kirchenmausarmen Mansardenpoeten evozieren, für den das Leben keinen Krümel Ruhm übrig hatte. Die Kunst hatte ihm das Haar gekostet, außer einem verwehten Flaum von drei, vier Haaren auf dem Kopf war ihm nichts geblieben.
Sorgfältig und konzentriert arbeiten
Während des gesamten Schreibprozesses arbeitete ich an jedem Entwurf so, als sei er der letzte. Ich arbeitete sehr konzentriert und feilte an Formulierungen, als müsste ich den Text am nächsten Tag einem Lektor vorlegen.
Das förderte die Geburt weiterer Ideen. Und ich konnte das erzählerische Potenzial jeder Idee wirklich ausloten.
Manche Ideen erwiesen sich als Sackgasse und verschwanden in späteren Entwürfen. Andere dagegen entwickelten sich weiter und nahmen immer mehr Raum in der Geschichte ein.
Fazit: Spielerisch in die Arbeit finden
Wahrscheinlich war es eine Mischung aus mehreren Faktoren, die zur ersten Idee für meinen Roman geführt haben:
- Bewegung
- Ruhe zum Nachdenken
- eine neue Umgebung
- Inspiration durch andere Bücher
Am Anfang packte mich das Spiel am Erfinden einer Welt und der darin verwickelten Figuren. Irgendwann war ich dadurch so stark involviert, dass ich auch Freude an der Arbeit des Niederschreibens hatte − denn längst war es mir mit dem Schreiben ernst.
Je länger ich an der Geschichte arbeitete, desto mehr Ideen entstanden auch, die wieder meine Freude befeuerten. Konzentration und Sorgfalt waren dabei mindestens genauso wichtig wie der Spaß.
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